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1940 geboren

1965 - 1969 Staatliche Kunstakademie Düsseldorf

Malerei

Bildhauerei

Zeichnung

Grafik

Die Große Flut

ein Zyklus in 13 Bildern
11 Stück: ca. 330 x 220 cm,
2 Stück: ca. 400 x 180 cm


Was mich an dem Thema interessiert, ist, daß im Chaos Ordnung liegt. Wasser ist ein Element, das alles durchdringt, und Wassermassen haben eine ungeheure Kraft, eben auch zerstörerische Kraft. Das was in der Natur bei einer Flut geschieht, dass nämlich zunächst Chaos entsteht, aus dem aber am Ende aus dem Zerstörungsprozeß ein neuer Werdeprozeß möglich wird, versuche ich auf meinen Bildern zum Thema „Die große Flut“ zu fixieren und dem Betrachter emotional nahe zu bringen. Es geht um diese Korrelation von Zerstören und Neuanfang, um den Prozeß des Werdens.

Dazu benutze ich als Abbildungsebene übereinander geklebte Zeitungen, auf die ich Wasser, Farbe und Tusche schütte und in den noch feuchten Grund kratze. Ich wende also Gewalt an, wodurch die ursprünglichen Informationen (aus den Zeitungen) zerstört, aus dem Zusammenhang gerissen und noch bruchstückhaft erkennbar sind. Wie in dem Naturprozeß der Flut, der von uns als Katastrophe angesehen wird, sind auf dem Bild nur noch zerstörte Teile vorhanden und werden doch im weiteren Bearbeitungsprozeß in einen neuen stimmigen Zusammenhang eingefügt.So könnte der Betrachter der Bilder empfinden, daß auch eine Naturkatastrophe wie die Flut etwas Bereinigendes in sich trägt. Er könnte erkennen, dass auch er nur Bestandteil der Natur ist.

Während des „Malens“ an diesen Bildern habe ich erfahren, daß aus diesem Vorgang des Schüttens, Reißens, Drüberlaufens ganz eigene Formen entstehen, die ich mir nicht ausgedacht habe. Ich wurde selber zu den Elementen, mit denen ich arbeitete.

Das ist für mich das Entscheidende: daß ich als Künstler Element werde. Wenn ich mich dieser Erfahrung überlasse, erfahre ich, was es mit dem Werdeprozeß des Kosmos auf sich hat. Und dabei wird man ganz bescheiden. Man kommt sich nicht als Schöpfer (von Kunst) vor, sondern als Mittel. Das Drinstehen im Chaos während des Schaffensprozesses hat mir paradoxerweise ein Gefühl des Aufgehobenseins vermittelt. Dies kann vielleicht auch der Betrachter für sich nachvollziehen, wenn er die Bilder auf sich einwirken lässt.

© 2006 h. e. scheidgen


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Heinrich E. Scheidgen

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