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Geburtsdatum:
14. Oktober 1976 in Engelskirchen


Schulbildung:
1983-1987 Grundschule Kall
1987-1996 Gymnasium Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld
Mai 1996 Abitur am Hermann-Josef-Kolleg Steinfeld


Studium:
Okt. 1996 - Jan. 2003
Deutsche Sprache und Literatur (Hauptfach mit Schwerpunkt Theater und Medien), Geschichte und Journalistik (Nebenfächer) an der Universität Hamburg

Okt. 1999 - März 2000
Auslandssemester an der Université Michel de Montaigne Bordeaux III in Frankreich (Sokratesstipendium); Fächer: Deutsch und Geschichte, Licence

Februar 2003
Abschluss: Magistra Artium

Seit April 2004
Promotion im Fach „Deutsche Sprache und Literatur“ (Schwerpunkt Medien) an der Universität Hamburg; Thema: „Frauenbilder und Modernität im Spielfilm, Kulturfilm und in der Wochenschau des Dritten Reiches“; Betreuer: Prof. Dr. Harro Segeberg


Wissenschaftliche Tätigkeiten:
April 1999 – Febr. 2001
Studentische Hilfskraft im Fachbereich Geschichte an der Universität Hamburg bei Prof. Dr. Burghart Schmidt: fachliche Betreuung von Studenten in einem Tutorium und Literatur-/ Kartographierecherche für historische Publikationen

Okt. 2004 – Nov. 2005
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Kinoöffentlichkeit in Hamburg 1895-1932“ im Fachbereich „Deutsche Sprache und Literatur/ Medienkultur“ an der Universität Hamburg; Betreuer: Prof. Dr. Harro Segeberg (Werkverträge)

April-Juli 2005
Hilfskraft bei Prof. Dr. Burghart Schmidt für die Hanse-Tagung „Von der Geschichte zur Gegenwart und Zukunft: Mittelständische Wirtschaft, Handwerk und Kultur im baltischen Raum“ vom 27.-29. Oktober 2005 in Hamburg

Nov. 2005- Mai 2006
Lektorat/ Betreuung einer Buchpublikation zum Workshop „Digitales Wissen in der Wissensgesellschaft“ (Juni 2005, Warburg-Haus) für das DFG Graduiertenkolleg Kunst und Technik an der Technischen Universität Hamburg-Harburg und der Universität Hamburg

April-Mai 2006
Erstellung eines Konzeptes für ein Alumni-Netzwerk am Fachbereich Sprache, Literatur und Medien I+II an der Universität Hamburg (für die Arbeitsstelle Studium und Beruf)

Seit April 2006
Geschäftsführung der Gesellschaft für Medienwissenschaft e.V. in Hamburg


Vorträge:
„Nationalsozialistische Moderne? Stadt und Film im Dritten Reich“ im Rahmen der Ringvorlesung „Mediale Mobilmachung. Das Dritte Reich und der Film“ an der Universität Hamburg im Wintersemester 2002/03 (21. Januar 2003)

„Nachkriegskarrieren II: Der Fall Wolfgang Liebeneiner“ im Rahmen der Ringvorlesung „Mediale Mobilmachung III: Das Kino der Bundesrepublik Deutschland als Kulturindustrie“ an der Universität Hamburg im Wintersemester 2004/05 (9. November 2004)

„Frauenbilder im Spielfilm, Kulturfilm und in der Wochenschau des Dritten Reichs“, interdisziplinäre und internationale Tagung „Nationalsozialismus und Geschlecht“ an der Freien Universität Berlin (16, Februar 2007)


Lehraufträge:
Hauptseminar „Das Mare Balticum in der neueren Geschichte (1500-2000)“ im Fachbereich Geschichte an der Universität Hamburg im Sommersemester 2006, zusammen mit Prof. Dr. Burghart Schmidt

1b-Seminar „Frauenbilder im deutschen Film 1920-70“ in den Fachbereichen Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Hamburg im Wintersemester 2006/2007

Projektseminar „Hörfunk – von der Theorie zur Praxis“ im Fachbereich Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Hamburg im Sommersemester 2007


Aufsätze:
Nationalsozialistische Moderne? Weiblichkeit und Stadt im NS-Film. In: Harro Segeberg (Hrsg.): Mediale Mobilmachung I: Das Dritte Reich und der Film. Mediengeschichte des Films, Bd. 4, München 2004, S. 321-342.

Nachkriegskarrieren von NS-Regisseuren: Der Fall Wolfgang Liebeneiner. In: Harro Segeberg (Hrsg.): Mediale Mobilmachung III: Das Kino der Bundesrepublik Deutschland als Kulturindustrie 1950-1962, Bd. 6. (im Druck)


Sprachkenntnisse:
Gute Französisch- und Englischkenntnisse, Grundkenntnisse Spanisch

Freie Tätigkeiten:
Okt. 1998 - Aug. 1999
Presse- und Fotoagentur Transglobe Agency, Hamburg

2004 – 2006
Arbeit als freie Journalistin für verschiedene Radiosender


Praktika/Hospitationen/Seminare:
Juli/August 1995
Lokalredaktion der Tageszeitung Kölnische Rundschau, Gemünd-Eifel

Mai/Juni 1996
Lokalredaktion der Kölnischen Rundschau, Gemünd

Oktober 1997
Staatliche Pressestelle des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg

Sept./Okt. 1998
Presse- und Fotoagentur Transglobe Agency, Hamburg

WS 1998/99
Projektseminar Radiopraxis, Institut für Journalistik in Zusammenarbeit mit dem NDR und dem Offenen Kanal Hamburg; Betreuer: Prof. Dr. Irene Neverla und Stefan Brünjes

Aug./Sept. 2000
Hörfunk-Hospitation im Westdeutschen Rundfunk (WDR 3) in Köln, PG Wort, in den Redaktionen „Das Mosaik“ und „Kritisches Tagebuch“

Aug./Sept. 2001
Hörfunkpraktikum bei Radio Köln

WS 2001/02
Projektseminar Radiopraxis: Vom Radio-Hören zum Radio-Machen, Institut für Journalistik in Zusammenarbeit mit dem Hörfunksender NDR 90,3 und dem Offenen Kanal Hamburg, Betreuer: Prof. Dr. Irene Neverla und Stefan Brünjes

April/Mai/Juni 2003
Praktikum beim Fernsehsender RTL Nord in Hamburg, Regionalsendung „Guten Abend RTL“

Juni/Juli/Aug. 2003
Hörfunk-Hospitation im Norddeutschen Rundfunk in Hamburg, NDR Info, Programmgruppe „Gesellschaft und Bildung“

Juni 2004
Hörfunk-Praktikum in der Deutschen Welle in Bonn, Redaktion „Kultur, Wort und Musik“ des Deutschen Programms

Aug./Sept. 2004
Praktikum beim Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) in Düsseldorf, Redaktion „Volle Kanne, Service täglich, Kultur und Wissenschaft“

Die Sammlerin

Der Duft von frischen Blumen lag in der Luft. Eine größere Menschenmenge hatte sich im Kreis versammelt, einige mit Blumen in der Hand, andere standen nur wortlos herum. Sie alle starrten auf die gleiche Stelle, auf ein tiefes Loch in der Erde. "Er war ein guter Mensch, Gott hat ihn uns viel zu früh genommen, aber er hat seinen Frieden gefunden", sagte der Pfarrer mit tröstenden Worten. Einige Frauen in Schwarz schluchzten laut auf. Der Sarg wurde von den Trägern langsam in das zwei Meter tiefe Erdloch herabgelassen.
Sie mochte Friedhöfe. Beerdigungen waren schon immer ihre große Leidenschaft gewesen. Ganz in Schwarz gekleidet hatte sie sich etwas abseits von der Trauergesellschaft gestellt und war mit ihrem Blick lächelnd dem Hinabsenken des Sarges gefolgt. Was für ein schöner Sarg, dachte sie, aber der Tote wird darin nicht gut schlafen können. Es war in dieser Woche bereits ihre zweite Beerdigung. Diesmal war es ein vierunddreißigjähriger Mann, der bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen war. Sie hatte die Trauergäste darüber reden hören. Ist das nicht schrecklich, noch so jung und dann bei einem Unfall sterben. Ja, ja, es kann eben jeden treffen, hatten sie leise geflüstert. Sie konnte es hören, da sie sich näher an die Trauernden herangeschlichen hatte.
Sie hielt eine rote Rose in der Hand und reihte sich in die Schlange der Trauergäste ein. Ihr Blick war gesenkt. Erst kurz bevor sie vor der Witwe des Verstorbenen stand, schaute sie auf. Hübsch war sie, vielleicht Ende Zwanzig. "Herzliches Beileid, ich kannte ihren Gatten gut, er war so ein reizender Mensch", sagte sie, nachdem sie die Rose auf den Sarg hinabgeworfen hatte. Die junge Frau, die ihr weinendes Gesicht mit einem schwarzen Schleier verhüllt hatte, schaute sie fragend an, während sie ihr die Hand schüttelte. "Ihr Mann hat ihnen sicherlich nichts von mir erzählt, wir kannten uns aus der Schule", fügte sie erklärend hinzu. Die Witwe nickte. Sie wendete sich ab und fuhr mit der Hand durch ihre Haare. Im Inneren schmunzelte sie: wieder ein Toter mehr in ihrer Sammlung. Was für ein Vergnügen! Während der Witwe weiter Beileidsbekundungen ausgesprochen wurden, entfernte sie sich langsam mit einem letzten Blick auf das frische Grab von der Trauergemeinde. Sie würden sich schon bald wiedersehen.
Vor sechs Jahren hatte sie angefangen, Tote zu sammeln. Neunhundertzweiundachtzig Verstorbene zählte ihre Sammlung, auf die sie so stolz war. Und jede Woche kamen neue dazu, das waren in einem Jahr über einhundertundfünfzig Beerdigungen. Die Toten sammelte sie in ausgespülten Glasjoghurtbechern. Es war gar nicht so schwierig, einen Toten in einen Joghurtbecher zu bekommen. Sie mußte in der Nacht nach einer Beerdigung nur noch einmal den Verstorbenen aufsuchen und ihn bitten, in den Glasbecher zu schlüpfen. Meistens war das kein Problem, nur selten waren ein paar ganz Widerspenstige dabei. Denen mußte sie ein bißchen nachhelfen. Aber ganz erfolglos war sie noch nie nach Hause zurückgekehrt.
Auch an diesem Abend machte sie sich auf den Weg zum Friedhof. Es war eine laue Sommernacht. In der Jackentasche trug sie einen Joghurtbecher, dessen Inhalt sie nachmittags noch genüßlich gegessen hatte. Erst auf dem Friedhof, der etwas außerhalb der Stadt lag, konnte sie den sternenklaren Himmel richtig sehen. Sie blickte nach oben und suchte nach Sternbildern, fand schließlich nur den Großen Wagen. Ihr Vater hatte ihr, als sie ein kleines Mädchen war, manchmal die Sternbilder erklärt. Mit seiner in den Himmel ausgestreckten Hand hatte er sie in der Luft für seine kleine Tochter nachgezeichnet. Aber das war lange her, und irgendwann war ihr Vater weg, einfach abgehauen, weil er keine Lust mehr auf seine Frau und die einzige Tochter hatte. Geblieben waren nur die Sterne, durch die sie sich manchmal an ihren Vater erinnerte. Die Geräusche ihrer Schritte auf dem Kiesweg des Friedhofs durchbrachen die nächtliche Stille. Ein schöner Tag, um beerdigt zu werden, dachte sie.
Vor fünf Jahren war sie das erste Mal diesen Weg lang gegangen. Viele kleine Wege zweigten von ihm ab und führten zu allen Teilen des Friedhofs. Sie kannte jeden Weg, jedes Grab, sie hatte alles genau studiert, die Ruhestätte einer einhundertzweijährigen Frau ebenso, wie das mit einer weißen Marmorplatte abgedeckte Grab eines siebenjährigen Mädchens, deren Foto die Besucher freudig anlächelte. Damals war sie neu in diese Stadt gezogen und suchte als erstes den Friedhof auf. Hier konnte sie länger bleiben, die Stadt und der Friedhof waren groß genug für ihre Zwecke. Sie war noch immer da. Zunächst sammelte sie die Toten noch in kleinen Plastiktüten, aber schon bald war das zu unpraktisch. Die Joghurtbecher konnte sie in mehreren Regalen in ihrer Wohnung viel besser lagern. Jeden Morgen stellte sie sich vor ihre Regale und begrüßte sie. Neunhundertzweiundachtzig, und es kamen jede Woche mehr dazu. Es waren ihre Freunde. Schließlich hatte sie fast jeden Toten aus diesem dunklen Loch gerettet.
Die Idee, Tote zu sammeln, entstand schon in ihrer Schulzeit. Im Biologieunterricht hatten sie eines Tages gelernt, daß tote Menschen oder auch Tiere, wenn sie nicht verbrannt wurden, in der Erde von Würmern zerfressen wurden. Ein Gefühl des Ekels empfand sie damals und wurde es nicht mehr los. Dieses Bild verfolgte sie: in ihren Träumen krochen die Würmer durch ihren Körper, windeten sich durch ihre Gedärme, während sie mit den Händen versuchte, die gelbfarbenen Fleischfresser zumindest von ihrer Haut wegzuschieben. Schweißgebadet wachte sie danach jedes Mal auf.
Und eines Tages wurde sie wach, stand am Grab ihrer Mutter, die plötzlich gestorben war. Herzversagen, sagten die Ärzte. Mit ihrem Auto war sie in den Gegenverkehr gerast und war sofort tot. Nur wenige kamen zur Beerdigung, ein paar Nachbarn, ein, zwei Freunde und der Pfarrer, der die Abschiedsrede hielt. Sie starrte auf den Sarg in dem zwei Meter tiefen Loch, lauschte, ob sie eine leise Stimme hörte oder vielleicht nur ein Kratzen an dem Sargdeckel. Aber es blieb still in dem Loch und bald auch auf dem Friedhof, nachdem sich alle entfernt hatten. Nur sie blieb am Grab ihrer Mutter zurück, starrte weiter in das Erdloch, während zwei Männer begannen, von den Seiten Erde hineinzuschaufeln. Sie wußte schon bald, daß Tote nicht richtig tot waren, sie waren nur nicht mehr lebendig. Aber sprechen konnten sie noch. Hol mich hier raus, schrie ihre Mutter damals, als sie in der Nacht nach der Beerdigung noch einmal zu ihrem Grab gekommen war. Wie soll ich das denn machen, fragte sie die Tote. In ihrer Hand hielt sie einen Plastikbeutel, da schlüpfte ihre Mutter hinein, ganz schnell und leise. Sie ging und nahm ihre Mutter mit.
Sechs Jahre war das her, sie war ein Jahr später in diese Stadt gezogen, weil sie hier niemanden kannte und unbemerkt Seelen retten konnte. Ihr Schritt verlangsamte sich, sie hatte das frisch zugeschaufelte Grab von dem jungen Motorradfahrer erreicht. Hallo, flüsterte sie leise. Hallo, sagte er, nimm mich mit. Eine treue Seele also, die in den Glasbecher wollte. Leichter, als sie dachte. Behutsam schraubte sie den Deckel wieder auf den Glasbehälter und verbarg ihn in ihrer Jacke. Noch leiser, als sie gekommen war, schlich sie nach Hause. Sie wollte ihren neuen Freund nicht wecken. Er würde einen schönen Platz im Regal bekommen, als Neunhundertdreiundachtzigster. Für heute war sie zufrieden.

"Ein sehr schwieriger Fall", sagte sie. Frau Dr. Rauterberg betreute die Patientin seit vielen Jahren. "Sehen Sie selbst, jeden Morgen steht Alia vor ihren Glasjoghurtbechern und grüßt sie. Fast jeden Tag ein neuer Becher, sie sammelt sie seit sechs Jahren", erklärte sie und zeigte auf eine junge, hübsche Frau mit langen braunen Haaren, die apathisch vor mehreren Regalen stand. Ihr Kollege nickte: "Warum nehmen sie ihr die Becher nicht weg?" Frau Dr. Rauterberg schüttelte mit dem Kopf: "Weil sie das nicht durchstehen würde. Wir haben es versucht, Sie sehen ja, wie es im Zimmer aussieht. Aber Alia sagt, wir dürfen ihr die Mutter und Freunde nicht wegnehmen, das sei alles, was sie habe." Alia fing an, leise Worte vor sich hinzumurmeln. "Guten Morgen, Guten Morgen, ich hoffe, euch geht es gut. Ihr braucht keine Angst zu haben, ich bin ja bei euch." Sie ging dabei langsam an den Regalen, die bis unter die Decke reichten, vorbei und streichelte liebevoll über die einzelnen Glasjoghurtbecher, die alle mit einem Metalldeckel verschlossen waren. Durch ein kleines Fenster in der Tür hatten die beiden Ärzte die Szene beobachtet. "Ein trauriger Fall, so eine junge Frau. Sie wird wohl immer hierbleiben müssen", fügte der neue Kollege an. "Ja vielleicht, aber bald in einem größeren Zimmer, in dem mehr Glasbecher Platz haben." Die Beiden drehten sich um und verschwanden hinter einer grauen Metalltür, an der ein Schild mit der Aufschrift "Psychiatrische Abteilung" hing. Alia hatte sich inzwischen an einen Holztisch gesetzt und löffelte mit einem Lächeln genüßlich ihren Joghurt. Ein neuer Freund.

© 2001 irina scheidgen

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